Arno Beck – Ein Bedürfnis nach Sinnlichkeit im Analogen

Ein Bedürfnis nach Sinnlichkeit im Analogen – Arno Beck wagt in seinen Werken die Konfrontation mit der ständig wachsenden Digitalisierung um uns herum. Sein Ziel: „Da ist etwas auf dem Bild-schirm, eine eigne Ästhetik einer Computerdarstellung und das möchte ich greifbar machen, mit den Mitteln der Malerei auratisieren und in die physische Welt überführen“. Er beschreibt sein Verhältnis zur Kunst als eine positive „Obsession“, ständig auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und neuen Erfahrungen zum Sammeln. Ein Prozess, in dem er stets vorangegangene Erkenntnisse in sein künstlerisches Schaffen miteinfließen lässt. Was ganz und gar nicht ein Streben nach Perfektion oder Selbstoptimierung darstellt, viel mehr die Suche nach dem, was ruht und auf eine Freisetzung wartet. „Immer wieder ins kalte Wasser springen und nicht nur was machen, was ich kann“, son-dern neue Gebiete erforschen.
So fing er im letzten Jahr an, sich mit dem malerischen Potenzial seiner selbst gebauten CNC-Maschine auseinanderzusetzen. Um sich herauszufordern, erwarb er autodidaktisch erste Program-mierkenntnisse. Die Maschine trägt auf automatisierte Weise Wasserfarbe auf ein Material auf. Zwar betreibt er dadurch keine Malerei im klassischen Sinne, aber er bezeichnet sich selbst als Maler. Denn durch das Zweckentfremden der Geräte erzielt er malerische Ergebnisse. So entsteht „Male-rei auf Umwegen“. Ihn begleitet immer der Gedanke, wie er etwas Digitales physisch erfahrbar ma-chen kann, weg von der glatten, fehlerfreien Oberfläche, hin zu etwas lebendig Schwingendem. Mithilfe einer Schreibmaschine schafft er es, außerordentlich präzise in stundenlanger „Schreibar-beit“ Bilder entstehen zu lassen, die in ihrem Detailreichtum an Fotografien erinnern. Letzteres ist ein Beispiel, an dem besonders deutlich wird, wie er es schafft, mit „Zweckentfremdetem“ ein un-glaublich künstlerisches Potenzial zu entfalten und auf gelungene Art in sein Gesamtwerk einzubin-den. „Immer wieder neu anfangen und die Herausforderung suchen“ ist seine größte Motivation. Er steht in stetiger Wechselwirkung mit seiner Umwelt, nimmt Eindrücke auf und setzt sie künstlerisch um. Bei seiner Arbeit ist es ihm wichtig, nicht den roten Faden zu verlieren und alles unter ein Dach zu bringen. Bezeichnend ist seine Fähigkeit trotz des großen Spektrums an unterschiedlichen Techniken eine klar strukturierte Linie in seinem Gesamtwerk zu behalten.

Das Betrachten seiner Bilder weckt viele Erinnerungen an eine Zeit, in der Computer noch etwas völlig Neues waren und denen immer eine gewisse Magie innewohnte. Mauszeiger und Windows-Fehlermeldungen sind den frühen Nutzer:innen des digitalen Raumes wohlbekannt.
Verweisen diese Symbole auf eine konkrete Zeit, möchte sich Arno Beck in seiner Kunst von einer rein nostalgischen Betrachtungsweise lösen. So distanziert er sich in seinen neuen Bildserien von klaren Erkennungsmerkmalen aus der digitalen Welt der 80er- und 90er-Jahre. Er reduziert die Dar-stellung einer Grafik auf die am Bildschirm kleinsten Komponenten: die Pixel. Arno Beck vermeidet das einfache Rezipieren von digitalen Erscheinungsbildern und hebt sich so von anderen postdigita-len Künstler:innen ab. Seine Sehnsucht, die digitale Kunst analog erfahrbar zu machen und das Er-forschen immer neuer Methodiken ist maßgeblich für sein Schaffen als Künstler.