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6. Mai 2020

Arnt der Bilderschneider – Museum Schnütgen Köln

Georgsaltar (Detail),
Werkstatt des Meisters Arnt
von Kalkar und Zwolle, 1483–
1487, St. Nicolai, Kalkar, Foto:
Stephan Kube, Greven
Georgsaltar (Detail und Gesamtansicht), Werkstatt des Arnt Beeldesnider, um 1483–1487, St. Nicolai, Kalkar, Fotos: Stephan Kube, Greven – die Details lassen sich bei unmittelbarer Betrachtung am besten ausmachen. Also nichts wie hin!

Georgsaltar (Detail und Gesamtansicht), Werkstatt des Arnt Beeldesnider, um 1483–1487, St. Nicolai, Kalkar, Fotos: Stephan Kube, Greven – Die vielen Details lassen sich bei unmittelbarer Betrachtung am besten bestaunen.

Nur noch wenige Tage zeigt das Kölner Museum Schnütgen die Ausstellung „Arnt der Bilderschneider – Meister der beseelten Skulpturen“. Wer die bewegten Schnitzarbeiten des spätmittelalterlichen Künstlers versammelt sehen möchte, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Allen Begeisterten sei auch ein Besuch am Niederrhein empfohlen, wo viele der Skulpturenschätze noch heute bewahrt werden.

In der Mitte der Ausstellung erwartet die BesucherInnen ein Highlight: der weit geöffnete Georgsaltar, der in den 1480er Jahren für die Nicolaikirche in Kalkar angefertigt wurde. Erstmals ist das Retabel außerhalb der Kirche zu sehen, die originale Farbfassung frisch restauriert. Der figurenreiche Schrein zeigt die Legende des hl. Georg vor den Mauern von Kalkar: im Zentrum Georgs Kampf mit dem Drachen und die Errettung der Prinzessin, außerdem mehrere Stationen seines qualvollen Martyriums. Das erzählerisch ausgeschmückte Relief lädt zu einer Entdeckungsreise ein, die über die Jahrhunderte nichts von ihrer Faszination verloren hat. Links brauen Georgs kaiserliche Peiniger einen Gifttrank, rechts werden Holzpflöcke in den Leib des Märtyrers gerammt. Hier versteckt sich ein Hase in seinem Bau, dort lassen sich Hufspuren auf dem Weg erkennen. Lange bleiben die BesucherInnen stehen und machen sich gegenseitig auf die detaillierten Schilderungen aufmerksam.

Meister Arnt, der „Bilderschneider“ des Georgsaltars, war in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zunächst im niederrheinischen Kalkar und dann in Zwolle, der heutigen Hauptstadt der niederländischen Provinz Overijssel, tätig. In seiner Werkstatt entstanden Skulpturen von besonders lebendigem Ausdruck, neben Altarretabeln zahlreiche Christus- und Mariendarstellungen, Engelfiguren und einzelne Heiligenstatuen. Die in Werkgruppen gegliederte Ausstellung nimmt erstmals das umfangreiche Schaffen des wenig bekannten Künstlers in den Blick. Dabei werden auch spezifischere Themenfelder eröffnet wie der angenommene künstlerische Austausch zwischen Arnt und den zeitgenössischen Kupferstechern Israhel van Meckenem und Meister IAM. Eine Vielzahl der Ausstellungsstücke wurde aus niederrheinischen Kirchen zusammengetragen, ergänzt durch internationale Leihgaben. Den Ausgangspunkt für die Schau bildete jedoch ein Werk aus dem Besitz des Museum Schnütgen: Arnts Dreikönigenrelief, das 2019 um drei bislang verschollene Fragmente erweitert werden konnte.

Über die Ausstellung hinaus lohnt es sich, die Bestimmungsorte der präsentierten Schnitzarbeiten zu besuchen, insbesondere die Nicolaikirche in Kalkar. Der Georgsaltar und weitere qualitätvolle Ausstellungsstücke werden schon bald in die Kirche zurückkehren, so auch die ausdrucksstarke Büste eines Bischofs und Arnts letztes Werk: die Fußwaschung Petri, die er kurz vor seinem Tod 1491 für den Hochaltar schnitzte.

Arnt der Bilderschneider – Meister der beseelten Skulpturen, Museum Schnütgen, Köln, 25.6. bis 20.9.2020, bis zum 20.9.2020 täglich bis 20 Uhr geöffnet

Anbetung der Heiligen Drei Könige (mit ergänzten Fragmenten), Werkstatt des Arnt Beeldesnider, um 1480–1490, Museum Schnütgen, Köln, Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln, M. Mennicken – endlich zusammengeführt: Die zugehörigen Fragmente erweitern die Anbetungsszene. Besonders anschaulich ist die kniende Figur unten rechts, die ein weiteres kostbares Geschenk aus ihrer Tasche holt.

Anbetung der Heiligen Drei Könige (mit ergänzten Fragmenten), Werkstatt des Arnt Beeldesnider, um 1480–1490, Museum Schnütgen, Köln, Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln, M. Mennicken – Endlich zusammengeführt: Der zugehörige Reliefstreifen, bestehend aus drei Fragmenten, erweitert die Anbetungsszene um drei Figuren und eine Stadtansicht. Besonders anschaulich ist die kniende Figur unten rechts, die ein weiteres kostbares Geschenk für das Jesuskind aus ihrer Tasche holt.

Büste eines hl. Bischofs, Werkstatt des Arnt Beeldesnider, St. Nicolai, Kalkar, Foto: Stephan Kube, Greven – Nach Ausstellungsende wieder in der Nicolaikirche in Kalkar: die Büste eines Bischofs mit auffallend individuellen Gesichtszügen.

Büste eines hl. Bischofs, Werkstatt des Arnt Beeldesnider, St. Nicolai, Kalkar, Foto: Stephan Kube, Greven – Nach Ausstellungsende wieder in der Nicolaikirche in Kalkar: die wohl ursprünglich zu einer Ganzfigur gehörende Büste eines Bischofs mit auffallend individuellen Gesichtszügen.

Fußwaschung, Predella des Hochaltars, Werkstatt des Arnt Beeldesnider, 1491, St. Nicolai, Kalkar, Foto: Stephan Kube, Greven – nur diese eine Szene konnte Arnt vor seinem Tod fertigstellen, weitere Teile des Retabels wurden von Nachfolgern gestaltet.

Fußwaschung Petri, Predella des Hochaltars, Werkstatt des Arnt Beeldesnider, 1491, St. Nicolai, Kalkar, Foto: Stephan Kube, Greven – Nur noch diese Szene konnte Arnt vor seinem Tod fertigstellen, die anderen Teile des Hochaltars wurden wohl von Nachfolgern gestaltet.