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leFLASH [AT] ARTCOLOGNE 2019
11. April 2019
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„Du würdest ja auch nicht die Sachen, die unter deinem Bett liegen, zeigen.“
15. Mai 2019

Spieglein, Spieglein an der Wand…

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Art Cologne 2019: Eine Review

Angewinkelte Beine, die keinen festen Grund zu finden scheinen, der Rücken zu den Knien gebeugt, um mit konzentriertem Blick das Motiv in der Ferne zu fokussieren. Die zweiteilige Fotoarbeit von Jürgen Klauke zeigt eine Frau im Profil mit ihrer Kamera. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert spiegelten die Menschen so ihre Umwelt. Was damals noch ein aufwendiger Akt war, ist heute spielend leicht geworden. Dank der Smartphone-Revolution und scharf gestochenen Pixeln ist nun jeder in den Olymp der Fotografie aufgestiegen und dokumentiert Tag für Tag seine individuelle Sicht auf die Welt. Welches Ausmaß das jedoch angenommen hat und wie Handys mittlerweile unseren Alltag bestimmen, zeigen die Werke von Joëlle Dubois. Ob es die Darstellungen sind, wie Frauen eine Schlägerei mit ihren Handys filmen oder Liebende, die nach oder sogar während des Geschlechtsverkehrs die neusten Instagram-Posts checken – die schönste Nebensache der Welt scheint sich verlagert zu haben.

Und die Kunst macht es sich zur Aufgabe, uns spürbar den Spiegel vorzuhalten: Beim Rundgang durch die Ausstellungshallen, auf der sich bei der Art Cologne vom 11. – 14. April 2019 insgesamt xy internationale Galerien präsentierten, fällt eines auf: Man sieht sich erstaunlich oft selbst in den ausgestellten Kunstwerken. Michelangelo Pistoletto treibt diese Illusion mit der Arbeit “Smartphone – donna sedutta e uomo in piedi“ geradezu ad absurdum: Während rechts im Vordergrund eine Frau an einem Tisch, gedeckt mit einem Teller und Wasserglas, sitzt und vertieft auf ihr weißes Smartphone blickt, scrollt linkerhand ein sich in die andere Richtung wendender junger Mann mit blondem Haar durch seinen Feed. Ob es tatsächlich sein Feed ist, sieht der Betrachter nicht. Sich selbst kann er aber im verspiegelten Hintergrund entdecken – vielleicht auch selbst mit einem Smartphone in der Hand. Es ist schwer im ersten Moment zu unterscheiden, wer von den Personen leibhaftig neben einem steht und wer vom Künstler hinzugefügt wurde. So bekannt ist uns das Bild von Mitmenschen, die die virtuelle der realen Welt vorziehen und keine Notiz von ihrer Umwelt nehmen. Spätestens an dieser Stelle sollten wir uns kurz die Frage stellen, ob es nicht eine schöne Abwechslung wäre, wieder öfter miteinander ins Gespräch zu kommen. Viele Messebesucher versuchen das aufregendste Selfie zu schießen – viele Galeristen telefonieren, schauen teilnahmslos auf Ihr Smartphone oder arbeiten am PC. Geht es bei Messen nicht um Interaktion, Austausch und spannende Gespräche?
Aber auch ein ganz anderes Themenfeld wird mit der Einbindung der eigenen Position angesprochen: Die Überwachung des öffentlichen wie auch des privaten Raumes. Rosarote Camouflage-Muster zieren die Seitenverkleidungen eines klobigen Tisches in Julia Schers Installation, auf dem drei aus Parkhäusern bekannte Übertragungsbildschirme installiert sind. Das Herantreten ist ein Versuch dieses Kunstwerk zu begreifen und in einen Kontext einzubetten. Was der Betrachter plötzlich sieht, ist wieder seine eigene Person – in Echtzeit gefilmt von verschiedenen an den Ausstellungswänden befestigte Kameras.

Die Art Cologne2019 war, um es zusammenfassend mit den Worten auf Michael Schusters Spiegelobjekt auszudrücken, ein DEJA VU. Bis zum nächsten Jahr.