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Galerie Gisela Clement
24. November 2016
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Kunsthysterisches
4. Dezember 2016

MÉLANGE bei der COFA-Contemporary

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Der Projektraum MÉLANGE wird von Patrick C. Haas und Jonas Schenk seit anderthalb Jahren in Köln-Sülz betrieben. „Die MÉLANGE und andere Off-Räume tragen wesentlich zum künstlerischen Klima in Köln bei“, so äußerte sich Daniel Hug (Direktor der Art cologne) bei der Tagung Kooperation und Konkurrenz im Kunstmarkt - gestern und heute. 50 Jahre Art Cologne am 13. Juli 2016. Le Flash besuchte die Koje der MÉLANGE, die bereits zum zweiten Mal auf der Messe vertreten ist.
Le Flash Was ist Eure Motivation Ausstellungen zu machen?

MÉLANGE Die Frage der Motivation hat sich für uns nie wirklich gestellt. Wir haben beide ein Interesse dafür gezeigt, involviert zu sein. Das heißt: mehr als nur an Eröffnungen teilzunehmen. Das geht ganz unterschiedlich. Der Austausch und die Zusammenarbeit mit Künstlern ist uns wichtig und selbst eine Auswahl treffen zu können. Natürlich hofft man dabei, andere Leute von der eigenen Auswahl überzeugen zu können.

Le Flash Was für ein Konzept verfolgt Ihr mit der MÉLANGE?

MÉLANGE Es war uns zunächst wichtig, uns programmatisch aus dem Rheinland zu entfernen – es gab natürlich wenige Ausnahmen und wird eventuell auch wieder welche geben. Für lokale Künstler gibt es zahlreiche Möglichkeiten ausgestellt zu werden. Und natürlich gibt es hier vor Ort spannende Positionen; es hat sich bisher meist gezeigt, dass diese früher oder später ohnehin in der Nähe gezeigt werden. Deshalb geht es uns um Alternativen und darum, Künstlern ein Forum zu bieten, die hier nicht direkt bekannt sind.

Dabei verfolgen wir kein spezifisches Thema. Mit Patrick Fabian Panetta haben wir eine Position gezeigt, die sehr analytisch in das Kunstsystem eindringt, während Ellen Yeon Kims eher poetischer Natur war. Wir denken, dass sich rückblickend immer wieder rote Fäden ziehen lassen, die die Künstler auf eine bestimmte Ebene miteinander verbinden, jedoch nicht ausschließlich darauf heruntergebrochen werden können.
Le Flash Nach welchen Kriterien wählt Ihr die Kunst aus, die Ihr ausstellen möchtet?

MÉLANGE Die, die wir mögen. Wir agieren dabei nicht anders als Museums- oder Kunstvereinsdirektoren. Das was man als gut, richtig und aktuell empfindet ist letzten Endes auch nur eine Frage des persönlichen Geschmacks. Davon kann sich keiner frei machen.

Le Flash Ihr habt zu Euren bisherigen Ausstellungen eine Publikation geplant, wie soll sie aussehen?

MÉLANGE Aus der Idee, ein Heftchen für die Messe drucken zu lassen, ist über die Dauer eines Wochenendes ein recht handliches Buch geworden. Das Ergebnis sind knapp 180 Seiten, die zum größten Teil aus der Dokumentation der bisherigen Ausstellungen bestehen, inklusive der Pressetexte. Für das Buch haben wir das Format der Artforum übernommen, und damit auch den fast wichtigsten Teil dieses Magazins: Die Anzeigen. Wir haben deshalb Künstler, Institutionen und andere Magazine gefragt, ob Sie uns eine Anzeige für das Buch beisteuern möchten – kostenlos. Die Resonanz hat uns sehr gefreut, da wir Kunstvereine und Museen gewinnen konnten. Das ist beispielhaft für den Zusammenhalt dieser Region.

Le Flash Was für einen Stellenwert hat diese Publikation für Euch und Eure Arbeit?

MÉLANGE Wir sind im Besitz eines hochwertigen Printproduktes mit dem, was wir bisher gemacht haben. Wer kann das von sich sagen? Unser Grafiker hat dabei wunderbare Arbeit geleistet.
Le Flash Etwa anderthalb Jahren hattet Ihr einen festen Raum in Köln-Sülz, wie geht es jetzt für euch weiter?

MÉLANGE Wir haben glücklicherweise schon neue Räume gefunden. Wir verlassen die Peripherie und rücken ans Stadtzentrum ran, wo auch andere Kunsträume sind. Das kann Vor- und Nachteil zugleich sein. In Anbetracht der Abgelegenheit, blieben die Besucher meist über die Dauer des Abends. An dem neuen Ort könnte es zu mehr Fluktuation kommen. Aber gleichzeitig ermöglicht das einem, an Laufpublikum heranzukommen, welches wir bisher noch nicht hatten.

Le Flash Welche Rolle spielt der Raum für eure Arbeit?

MÉLANGE Aufgrund der Größe des letzten Raumes wurden wir allzu häufig direkt als Galerie wahrgenommen. Es ist deshalb spannend zu sehen, wie schnell und leicht Räume dieses Potenzial ausüben können. In dem neuen Raum wird sich zeigen, wie sich das ändern wird. Es war uns auch wichtig einen festen Ort zu haben, mit dem Besucher einen in Verbindung setzen können.Gleichzeitig planen wir Kooperationen mit anderen Kunsträumen. Während für das nähere Umfeld und Ausland gegenseitige Einladungen geplant sind, werden wir im November in den Kunstwerken in Deutz eine Ausstellung realisieren. Es wird sich zeigen, wie man mit dem Komfort von 300qm umgehen kann.

Le Flash Wie kam es zu der Kooperation mit der COFA Conemporary?

MÉLANGE Die COFA Contemporary wurde letztes Jahr ins Leben gerufen, um als zeitgenössische Messe mit regionalem Bezug der Cologne Fine Art beiseite zu stehen. Die Projekträume aus der Umgebung wurden eingeladen daran teilzunehmen, so auch dieses Jahr wieder.
Le Flash Wie steht Ihr, als nicht primär kommerzieller Raum dazu, eine Messekoje zu bespielen?

MÉLANGE Für uns gibt es keinerlei Konflikte denen wir uns stellen müssten. Einer der Hauptunterschiede für uns in der Konzeption eines „Projektraums“ und einer Galerie ist ja der, dass ersterer kein Geld verdienen muss, zweiterer allerdings auf Umsätze angewiesen ist (natürlich ist es noch wesentlich komplexer, aber das reicht an dieser Stelle). Was im Umkehrschluss nicht heißt, dass man als Projektraum nicht auch etwas verdienen könnte und dürfte. Erstens stecken wir sehr viel privates Geld in den Unterhalt der MÉLANGE. Zweitens, aus der Perspektive der Künstler, freuen wir uns natürlich für jede Arbeit, die einen Interessenten findet, der mit dieser leben möchte. Es gab Kunsträume die sich einer möglichen monetären Vereinnahmung verwehrt haben, während andere voll in die Presche gesprungen sind.

Natürlich nehmen wir die Messe als Chance wahr, uns als MÉLANGE zu präsentieren, heißt: Alternativen aufzuzeigen, die fernab von der Ausschließlichkeit in der Präsentation von Flachware liegen. Es war bezeichnend für die Messe, dass wahrscheinlich 80% aller Arbeiten auf der Messe Malereien waren; diese Perspektivlosigkeit muss einen an dieser Stelle einfach herausfordern. Diese sich tendenziell abnutzenden Strahlung der Dinge wollten wir etwas entgegensetzen. Uns war klar, dass wir keine Verkäufe erzielen würden. Kunst, die sich selbst als solche reflektiert scheint derzeit nicht gefragt zu sein. Zu spröde, zu wenig für die retinale Bespaßung.

Auf der letzten Messe haben wir eine Gruppenausstellung über den Moment des Imperfekten präsentiert. Verkauft wurden hier – überraschender Weise – Leinwände und Aquarelle. Man fragt sich, ob es ein Außerhalb von Malerei gibt und ob mehr nicht zumutbar ist? Zumindest in diesem Fall, auf dieser sehr speziellen Messe. Wir hoffen, dass Interessierte diesen Unterschied in unserer Präsentation bemerkt haben.

Das Interview wurde per Mail geführt. Le Flash: Johanna Beutner und Leon Jankowiak.